Was versteht man unter Schmerztherapie?

Der Schmerz

Die Schmerztherapie fasst alle Maßnahmen zusammen, deren Ziel es ist, Schmerzen zu lindern. Unter den Begriff fallen damit planende, überwachende und steuernde Maßnahmen. Man verwendet in der Medizin auch den Begriff Schmerzmanagement, wenn ein interdisziplinärer Ansatz zur Schmerzreduktion erforderlich ist. Dies ist vor allem bei chronischen Schmerzen wie Wirbelsäulenerkrankungen oder Tumorschmerzen der Fall. Beim interdisziplinären Ansatz kombiniert man Maßnahmen aus verschiedenen Fachrichtungen, um chronische Schmerzen effektiv zu behandeln. Bei dieser multimodalen Schmerztherapie bezieht man auch psychologische, psychiatrische oder psychosomatische Disziplinen mit ein.

Die Geschichte der Schmerztherapie reicht weit zurück. Ärzte im antiken Griechenland  setzten bereits verschiedene Methoden zur Schmerzbehandlung ein. Eines der ersten Schmerzmittel war die Weidenrinde, deren Saft man fiebersenkende und schmerzstillende Wirkung nachsagte. Heute weiß man, dass es sich bei dem Wirkstoff in der Heilpflanze um Salicylsäure handelt. Noch älter sind Heilmittel, die aus Opium bestehen: In Keilschriften um 4000 v. Chr. finden sich Hinweise, dass Arzneimittel aus Schlafmohn gewonnen wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Opium zu einem der wichtigsten Schmerzmittel. 1804 konnte Friedrich Wilhelm Adam Sertürner schließlich das Morphin, das in Opium enthalten ist, isolieren und so ein hochwirksames Schmerzmittel herstellen. Im 18. Jahrhundert entdeckte man die betäubende Wirkung von Lachgas und setzte es bei zahnärztlichen Eingriffen ein. Um Schmerzen effektiv zu behandeln, gründete man im Jahr 1940 die erste Schmerzklinik in den USA. Ihre Gründung beruhte auf der Erkenntnis, dass chronische Schmerzen eine gesonderte Behandlung benötigen. In Deutschland setzte sich dieser Ansatz erst in den 1970ern durch. Die interdisziplinäre Schmerztherapie begründete John J. Bonica, der im Jahr 1994 verstarb.

Wie die Geschichte zeigt, ist die medikamentöse Behandlung die klassische Behandlungsform für Schmerzen. Die in der Schmerztherapie verwendeten Arzneimittel bezeichnet man in der Fachsprache als Analgetika. Man unterscheidet dabei in:

  • Nicht-Opioid-Analgetika wie Salicylsäurederivate, Ketamin oder Phenylessigsäurederivate
  • Opioid-Analgetika wie Oxycodon, Fentayl oder Tilidin.

Die Unterschiede dieser Substanzklassen bestehen vor allem im Wirkungsgrad und im Risiko, Nebenwirkungen auszulösen. Starke Schmerzmittel sind nur auf Rezept vom Arzt erhältlich, weil sie teilweise starke Nebenwirkungen haben und zu Wahrnehmungsstörungen führen können. Schwächere Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprufen sind hingegen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Doch auch rezeptfreie Schmerzmittel können Nebenwirkungen hervorrufen. Weil viele Schmerzmittel Säuren sind, reizen sie die Magenschleimhaut. Gleichzeitig hemmen sie die Prostaglandinsynthese, was auch den Schutz der Magenschleimhaut reduziert. Die Folgen sind Sodbrennen, Magenentzündungen und im schlimmsten Fall sogar Magenblutungen. Wenn man Schmerzmittel über einen längeren Zeitraum einnehmen muss, empfiehlt sich deshalb die gleichzeitige Einnahme eines Protonenpumpenhemmers wie Omeprazol, der die Säureproduktion hemmt und so die Magenwand schützt.

Neben der medikamentösen Behandlung von Schmerzen werden weitere Behandlungsmaßnahmen aus verschiedenen Disziplinen eingesetzt, um Schmerzen zu lindern. Massagen setzt man zum Beispiel ein, um schmerzhafte Verspannungen zu lösen. Auch die Reflexzonenmassage ist inzwischen recht bekannt. Sie geht davon aus, dass bestimmte Reflexpunkte (zum Beispiel am Fuß oder an der Hand) mit bestimmten Organen in Verbindung stehen. Indem man diese Punkte stimuliert, sollen sowohl Schmerzen reduziert als auch eine Verbesserung des Gesamtbefindens erreicht werden. Ebenfalls zur Schmerztherapie gehört die Thermotherapie, in der Kälte- und Wärmeanwendungen positiven Einfluss auf das Schmerzempfinden haben können. Auch Elektrotherapie, Akupunktur/Akupressur oder Homöopathie setzt man zur Schmerztherapie ein. Nachhaltige Verbesserung von Schmerzen kann unter Umständen auch durch verschiedene Arten der Psychotherapie erreicht werden.

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